Schwabenkinder

Zum Stück

“Schwabenkinder”
Dieses traurige Kapitel der alpenländischen Geschichte machte auch vor Südtirols Bergbauernhöfen keinen Halt. Das „Schwabengehen“ erlebte im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Es wird geschätzt, dass jährlich fünf- bis sechstausend Kinder auf Höfen in der Fremde als Hütejungen, Mägde oder als Knechte arbeiteten. Das „Schwabengehen“ geht also als eine frühe Form der Migration in die Geschichtsbücher ein.

Zum Inhalt
Die Steinachbühne Algund zeigt eine Bearbeitung des Stückes „Lechtaler Schwabenkinder“ von Claudia Lang, das 1996 uraufgeführt wurde. Die Autorin weiß aus eigener Betroffenheit zu erzählen: Ihre Mutter zählte zu den letzten Kindern, die im Sommer zum Arbeiten in die Ferne wandern mussten.
Im Stück wird am Beispiel einer Familie die Not um 1900 aufgezeigt. Die Dramatik gipfelt in einem Gewissenskonflikt der Mutter, die ein Adoptionsansuchen für ihr Kind aus dem Schwabenland erhält. Hin und her gerissen zwischen ihrer Mutterliebe und einer hoffnungsvollen Aussicht auf Beruf und Wohlstand für ihren Sohn, muss sie eine Entscheidung treffen.

Zusammenfassung:
Das kleine Wolfele, sensibel und klug, muss miterleben, wie Sommer für Sommer seine Geschwister und die älteren Kinder aus dem Dorf ins Schwabenland gesandt werden, um Geld zu verdienen. Für jedes der Kinder ist früher oder später die Zeit gekommen „Schwaben zu gehen“; die billigen Arbeitskräfte sind im Schwabenland gerne gesehen und am heimatlichen Herd befindet sich ein Esser weniger. Dass es im Schwabenland jedoch alles andere als angenehm ist, weiß Wolfele von seiner Mutter Agnes, die am eigenen Leib erfahren musste, was es heißt einem fremden Arbeitgeber schutzlos ausgeliefert zu sein. Ihre Tochter Rosa war ebenfalls bereits im Schwabenland und möchte unter keinen Umständen mehr dorthin. Nun will Agnes mit allen Mitteln verhindern, dass ihre Kinder erneut gehen müssen, doch ihr Mann, Kilian, bleibt unerbittlich und ihre Mühen sind vergebens. Die Not ist einfach zu groß und die Kinder ziehen fort.
Auch Wolfele ist unter den Kindern, die den heimatlichen Herd verlassen müssen. Von einer Hausiererin erhält Agnes nach Wochen des Bangens und Wartens Nachricht von ihrem Sohn…

Claudia Lang, die Autorin 
Claudia Lang ist Autorin, Regisseurin, Schauspielerin, Theaterpädagogin, Organisatorin und war bis 2013 künstlerische Leiterin der Geierwally  Freilichtbühne in Elbigenalp. Ihr Stück „Lechtaler Schwabenkinder“ wurde 1996 uraufgeführt. Claudia Lang weiß aus eigener Betroffenheit zu erzählen: Ihre Mutter zählte zu den letzten Kindern, die im Sommer zum Arbeiten in die Ferne wandern mussten.
Regisseur Günther Götsch hat das Stück für die Steinachbühne Algund adaptiert.

Besetzung

Die Eisernen

Bearbeitung und Regie: Andy GeierMT2A5894a
Mit: Theo Rufinatscha und Erwin Oberhuber
Musik: Matthias Ladurner
Bühnenbild: Andy Geier
Licht: NN

Die Schwabenkinder

Kilian, Kleinbauer: Hannes Pöhlschwabenkinder_gruppenfoto
Agnes,seine Frau: Bärbl Unterweger
Manni, Schwabenkind: Moritz Geier
Wolfele, Schwabenkind: Justin Lang
Rosa, Schwabenkind: Sara Zwischenbrugger
Lisi: Marie Maier
Großmutter: Annemarie Hölzl
Anton, Bruder von Killian: Luis von Pföstl
Hilda, seine Frau: Andrea Christanell
Franz, Schwabenkind: Raphael Unterweger
Matthias, Schwabenkind: David Gamper
Leni, Schwabenkind:  Sarah Bernardi
Maria: Ida Erlacher
Lehrer Martin: Sepp Gamper
Pfarrer: 
Erwin Oberhuber
Steffi, Kinderführerin: Evi Prader
Jog: Kurt Geier
Hannes, schwäbischer Händler: Hansjörg Hölzl
Karl, schwäbischer Händler: Patrik Habicher
Felsenburgerin, Hausiererin: Gerdi Gamper
Sepp, reicher BauerKarl Waibl
Naz, reicher BauerGeorg Salzburger
Falgerin, reicher Bäuerin: Miriam Erlacher
Resl(klein): Leonie Dalsant

In weiteren Rollen
Volk: Robert Bernardi, Luise Christanell, Hans Erlacher, Eva Hofer, Lisa Priller, Matthilde Rottensteiner, Maria Desiree Sanoll, Magdalena Sölva, Hedwig Thaler
Schwabenkinder: Raphael Vigl, Lukas Zanette, Jurek Puderecki, Annalena Tauber, Anna Maria Gamper, Thomas Maier

Regie und Bühnenbild: Günther Götsch
Bühne: Martin von Pföstl, Matthias Waldner, Georg Wolf, Hansjörg Hölzl, Karl Christanell
Ton und Licht: by Oskar Light; Simon Moser, Christoph Unterweger
Musik: Musicabanda Franui

Regieassistenz: Ully Geier
Inspektion: Evi Hölzl
Kostüme: Anja Chindamo, Annemarie Hölzl
Frisuren: Kathrin Christanell, Anna Christanell
Maske: Karin Hölzl, Ariane Menz

Gesamtleitung: Miriam Erlacher
Organisation:  Anja Chindamo, Barbara Gamper, Ully Geier, Patrick Habicher, Martin von Pföstl, Bärbl Unterweger
Öffentlichkeitsarbeit: Marion Thöni
Fotos: Kurt Geier
Graphik:  Sara Kuen

Ein besonderer Dank an:
Braunsbergbühne Lana, Gundi Götsch, Metzgerei Stephan von Pföstl, Theater in der Altstadt Meran, Transporte Kerschbaumer, Thalguterhaus Algund, Freiwillige Feuerwehr Algund, Bäuerinnen Algund, Kurt Geier, Burgi Mair

Braunsbergbühne Lana, Bäuerinnen Algund, Freiwillige Feuerwehr Algund, Kurt Geier, Martin Geier, Gemeinde Algund, Gemeinde Lana, Gundi
Götsch, Burgi Mair, Malerbetrieb Karl Christanell, Metzgerei Stephan von Pföstl, Thalguterhaus Algund, Theater in der Altstadt Meran, Transporte Kerschbaumer, Tourismusverein Algund, Raiffeisenkasse Algund, Rai Südtirol, Sägewerk Haller, Südtirol 1 und Radio Tirol, STV, Weingut Schloss Rametz und allen Sponsoren.

Regie

Regie bei den “Schwabenkindern” führt der bekannte Südtiroler Regisseur, Schauspieler und Kabarettist Günther Götsch.
Günther Götsch

Gedanken zur Inszenierung
Die Schwabenkinder. Ein bewegendes Stück Geschichte unseres Landes. Dreihundert Jahre lang wandern Tiroler Kinder zum Josefi-Tag übers schneebedeckte Joch Richtung Bodensee, um bei schwäbischen Großbauern in den Dienst zu treten. Feilschen am Ravensburger Kindermarkt. Wer hat das Glück eine gute Stelle zu ergattern? Wem beschert das Pech eine brutale Knechtschaft? Doch für alle gilt dasselbe. Sieben Monate alleine sein, ohne Eltern, Geschwister, Freunde. Erst am Martinitag werden sie zurückkehren, über die ersten Herbstschneefelder, im neuen Gewand und mit ein paar Gulden in der Tasche. Jahr für Jahr wiederholt sich diese Tragödie. Das Ende dieses dunklen Kapitels des „Schwabengehens“ läuten der Erste Weltkrieg und die Schulpflicht für ausländische Kinder in Württemberg im Jahre 1921 ein. Starker Tobak. Kinderarbeit im besten Sinne. Und nun zum Jubiläum auf die Theaterbühne?

Mein erstes Leseerlebnis ist durchwachsen. Die Sprache des Theaterstücks ist direkt, kalt, klar, von Poesie keine Spur. Die kurzen filmischen Szenen strotzen nur so vor Gewalt, wenn nicht vor körperlicher, dann von verbaler. Die Protagonisten sind tragische, gebrochene Figuren mit knurrenden Mägen. Zwischen den Zeilen weht mit seiner gnadenlosen Beständigkeit der raue Wind des Leids, der Not, der Armut. Beklemmende Stubenatmosphäre. Am zu kleinen Tisch der löffelnde Patriarch samt Mitessern und über allem der Herrgottswinkel. Blut- und Bodenvolkstheater, denke ich. Wie kann man das heute noch inszenieren? Noch zumutbar?

Eben schon. Weil es sich tatsächlich so zugetragen hat. Hierzulande. Nicht weit entfernt vom Spielort Algund. Und wo anders als im Theater darf ein Publikum so unmittelbar und nahe am Geschehen teilhaben? Mitfühlen an diesem Wahnsinn, der sich noch vor 100 Jahren in unmittelbarer Nähe abgespielt hat. Auch diese Aufgabe darf Theater neben seiner reinen Unterhaltung haben. Nicht bequem sein, auch dort hinschauen, wo es weh tut. Theater kann Aufklärung leisten, Vergangenes ins Bewusstsein holen.

Dass aktuell abertausende Kinderhände in den Haselnussfeldern der nördlichen Türkei dafür sorgen, dass wir Europäer unsere Schokolade schlemmen können, ist erschütternd und traurig genug.

Ich empfinde großen Respekt vor diesem komplexen Stück Zeitgeschichte. Keine Opfer, die ihren Kampf längst aufgegeben haben und in ihrem Sumpf an Elend längst feststecken, möchte ich zeigen. Sondern Bühnenfiguren mit unbändiger Hoffnung, die es schaffen, an eine Veränderung zu glauben. Das knapp vierzigköpfige Ensemble der Steinachbühne ist bunt gemischt, unsere jüngste Schauspielerin 4 Jahre alt, die älteste 80. Jetzt gilt es einen homogenen Bogen zu spannen. Ein Kompliment der Steinachbühne Algund für soviel Mut zu ihrem runden Geburtstag.

Günther Götsch
Regisseur

April 2015

Fotos

 

Und hier ein Blick hinter die Kulissen

 Frühere Stücke der Steinachbühne 

Presse

plakat

Plakat (PDF)

Flyer (PDF)

Pressemitteilung Mai 2015 (link )

Pressetext 30 Jahre Steinachbühne Algund (PDF)

Vollversammlung Steinachbühne Algund 17.02.2015 (PDF)

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